Was wir wollen
Soziale Verantwortung zu üben, erscheint einfach in einem Land, in dem die sozialen Missstände so offensichtlich zu Tage treten wie hier auf den Philippinen. Armut ist überall präsent, und es reicht eine kurze Autofahrt durch Manila sich dessen zu überzeugen, zumindest für denjenigen, der die Augen dafür öffnet. Slums mit Wellblechhütten und Pappkartons, in denen ganze Familien auf der Straße wohnen, gehören zum Stadtbild. Und sei das alles noch nicht genug, werden die Philippinen regelmäßig von Naturkatastrophen wie Taifune oder Erdbeben heimgesucht.
Aber so einfach ist das Helfen nicht. Meist ist es nicht das Geld, woran es mangelt, sondern die historisch gewachsenen, gesellschaftlichen und politischen Strukturen bedingen die Probleme. Sinnvoll und nachhaltig zu helfen, erfordert also Augenmaß und auch ein wenig Erfahrung. Besonders die politischen Strukturen sind kompliziert und reichen bis in die kleinsten Verwaltungseinheiten hinein. Auch persönliche Befindlichkeiten müssen dabei Berücksichtigung finden.
Das Selbstverständnis unserer Schule ist deshalb nicht primär die Rolle des Helfenden, schließlich sind wir keine Entwicklungsorganisation, sondern des Partners, der die philippinische Lebenswirklichkeit zu verstehen sucht und mit unseren Schülern den Kontakt zu ihr aufrecht erhält. Eine Ausnahme gibt es: bei Naturkatastrophen können wir aufgrund unserer flexiblen Struktur sehr schnell reagieren, oft schneller als professionelle Organisationen. Denn in diesen Fällen kommt es nicht auf Behördengänge an, sondern auf schnelle Hilfe und alle Beteiligten verstehen dies. Dies konnten wir beim Taifun Ketsana im Oktober 2009 beweisen, wo wir unzweifelhaft Menschen direkt helfen konnten, wo sonst niemand half.
Natürlich profitieren auch unsere Schüler von dem Austausch mit philippinischen Partnern: Neben dem Verstehen der anderen Kultur erfahren sie, wie Projekte ins Leben gerufen und gepflegt werden, und erhalten so einen kleinen Einblick in die Arbeit von internationalen Organisationen. Vielleicht entscheidet sich ja der ein oder andere, seine spätere berufliche Karriere in diese Richtung auszubauen. Dies wurde auch auf einer Einladung beim Deutschen Botschafter Ende Oktober 2009 deutlich, aus Anlass unseres Erfolges bei der Hilfe während des Taifuns Ketsana.
Die Projekte an unserer Schule sind jahrgangsübergreifend organisiert, von der Grundschule (z.B. unsere jährliche „Spaghetti Party“ in einem Slum-Gebiet) bis hin zum Diplom-Programm der IBO. Dort sind die sozialen Aktivitäten der Schüler fester Teil des Lehrplans und werden unter dem Namen CAS (Creativity, Action, Service) zusammengefasst. Von der IBO mit Sitz in Genf haben wir im letzten Jahr für unser CAS-Programm die Bestnote bekommen.
Das größte Projekt ist ein Bauprojekt, wo Menschen aus Slum-Gebieten sich Steinhäuser bauen, mit finanzieller Hilfe aus verschiedenen Quellen. Dies geschieht ganz in der Nähe der Schule, so dass unsere Schüler auf verschiedensten Ebenen mithelfen können. Die Häuser sollen 2011 fertiggestellt werden.
Das neueste Projekt ist ein Weihnachtskalender 2010, mit Fotos, die ein junges Mädchen aus einem Slum in ihrem Alltag selbst geschossen hat. Diesen Kalender wollen wir zusammenstellen und vertreiben, vielleicht auch in Deutschland, wobei der Erlös ihr und den abgebildeten Menschen zugute kommt. Ein Fotoband ist für das Jahr 2010 geplant.
Übrigens steht und fällt jedwede Aktivität im sozialen Bereich mit der Initiative und dem Interesse der Schüler. Als Koordinator der sozialen Programme an unserer Schule kann ich unseren Schülern nur ein großes Lob aussprechen, denn alle sind in geradezu unglaublicher Weise offen für neue Erfahrungen in diesem oft schwierigen Bereich, denn Freude und Enttäuschung liegen dabei oft sehr nahe beieinander.
Christoph Grandt

